Internationaler Tag gegen Genitalverstümmelung am 6. FebruarBis zu 140 Millionen Frauen von Genitalverstümmelung betroffen
DSW: "Menschenrechtsverletzung nicht hinnehmbar"
Hannover, 5. Februar 2009.Schätzungen zufolge sind weltweit bis zu 140 Millionen Mädchen und Frauen von Genitalverstümmelung betroffen. Jedes Jahr kommen rund drei Millionen Opfer hinzu. Die meisten von ihnen leben in afrikanischen Ländern und sind nicht einmal 15 Jahre alt, wenn der Eingriff vorgenommen wird. Darauf macht die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) anlässlich des Internationalen Tages gegen Genitalverstümmelung am 6. Februar aufmerksam.
Bei der grausamen Praktik wird die Klitoris teilweise oder vollständig entfernt. In besonders gravierenden Fällen wird die Vagina zugenäht und nur eine kleine Öffnung belassen. Meist wird der Eingriff von Laien, ohne Narkose und mit primitiven Hilfsmitteln wie Glasscherben oder Rasierklingen durchgeführt. Für die Frauen und Mädchen bedeutet die Genitalverstümmelung neben lebenslangen Traumata oft Infektionen, Blutungen und Komplikationen bei der Geburt, die zum Tod führen können. Die schädliche Praktik ist einer der Hauptgründe für die hohen Müttersterblichkeitsraten in Afrika und Asien.
Entschiedenes Vorgehen gegen Genitalverstümmelung
"Diese schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte dürfen wir nicht hinnehmen", betont DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr. "Es ist höchste Zeit, dass die Regierungen in den betroffenen Ländern entschieden gegen die grausame Praktik vorgehen." Aber auch die internationale Gemeinschaft stehe in der Pflicht zu handeln. Seit der UN-Generalversammlung im Jahr 1993 gilt die Genitalverstümmelung als Menschenrechtsverletzung, ihre Abschaffung steht auf der internationalen Agenda. Zwar verurteilen bereits heute viele Staaten die Genitalverstümmelung und haben entsprechende Gesetze erlassen, doch häufig reichen gesetzliche Bestimmungen nicht aus, um die tief verwurzelte Tradition zu bekämpfen. "Eine der wichtigsten Maßnahmen ist es daher, den Menschen durch Aufklärung sinnvolle Alternativen zu der schädlichen Praktik aufzuzeigen, und zwar in enger Zusammenarbeit und Absprache mit der jeweiligen Gemeinschaft", so Renate Bähr. Dies ist auch eine der zentralen Forderungen des aktuellen Weltbevölkerungsberichts des UN-Bevölkerungsfonds.
DSW klärt über Genitalverstümmelung auf
Die DSW ist eine international tätige Entwicklungshilfeorganisation. Sie unterstützt Aufklärungsinitiativen und Familienplanungsprojekte für Jugendliche in Afrika und Asien. In Jugendklubs, die mit Hilfe der DSW eingerichtet wurden, klären junge Menschen auch über die weibliche Genitalverstümmelung und deren schwerwiegende gesundheitliche Folgen auf. Mit ihren Botschaften erreichen die Jugendklubs nicht nur junge Menschen, sondern auch viele Erwachsene in ihren Gemeinden. So konnten einige Klubs bereits Erfolge im Kampf gegen die Genitalverstümmelung verbuchen.
Aktuelle Grafik zum Thema weibliche Genitalverstümmelung